Desprescribing und Represcribing-Strategien in der Geriatrie

Abendveranstaltungen

Termin 03.12.2026
Zeiten 20:00 - 21:30
Ort Philipps Universität Marburg Institutionsgebäude (M/01)
Ketzerbach 63
35032 Marburg
Referenten Prof. Dr. Martin Wehling

Beschreibung

Um die Pharmakotherapie bei älteren Menschen zu verbessern, wurden viele Methoden zur Arzneimittellistung entwickelt, z. B. die Beers- oder START/STOPP-Kriterien. Nur wenige Ansätze wurden klinisch validiert oder devalidiert. Bisher ist die FORTA(Fit-For-The-Aged)-Liste der einzige Listenansatz, der eine positiv-negative Medikamentenliste darstellt, die sowohl Über- als auch Unterbehandlung (potenziell ungeeignete Medikamente PIM UND möglicherweise ausgelassene Medikamente PPO) identifiziert; FORTA ist klinisch validiert.
In der VALFORTA-Studie konnte eine Verbesserung von ADL und Medikamentennebenwirkungen (NNT 5) nachgewiesen werden. Auch die Stürze wurden interventionell reduziert. Assoziationsstudien zeigten, dass der FORTA-Score (Über- und Unterbehandlungsfehler) mit Parametern der körperlichen und geistigen Fähigkeiten korrelieren. Die Implementierung von FORTA ist möglich auf Basis begrenzter Anweisungen, der FORTA-App und zwei IT-Algorithmen für die FORTA-Liste, die Medikamente automatisch an die Bedürfnisse älterer Patienten anpassen. Es gibt 10 länderspezifische Listen, und Aktualisierungen sind häufig (Dreijahreszyklen). Die Behandlung von PPO hat sich als klinisch wichtiger erwiesen als die Behandlung von PIM; in VALFORTA kamen und gingen die Patienten mit 8 Medikamenten, obwohl sie sich in der FORTA-Gruppe klinisch verbesserten.
Die Gesamtzahl der Medikamente änderte sich nicht, da im Durchschnitt drei PIM entfernt wurden, aber auch drei PPO neu verschrieben wurden. Die klinischen Ergebnisse zeigen, dass reines Deprescribing nicht mehr ausreicht, um die Prognose älterer Patienten zu verbessern, da oft auch "gute" Medikamente neu verschrieben werden müssen. Diese Kombination aus dem Absetzen von PIM und dem Verschreiben von PPO wird heute als "Represcribing" bezeichnet und sollte zum Standard für zukünftige Medikamentenoptimierungsansätze bei älteren Patienten werden.



Telefon 069 979509-15
U.Harder-Djibali@apothekerkammer.de

Desprescribing und Represcribing-Strategien in der Geriatrie

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